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Reiseurlaub
Wales und Irland 2018 |
www.chdex.de (p) 31.12.18 |


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Pannen, Pech und Bullenhitze

Der Tradition folgend, im Sommer nördliche Gefilde aufzusuchen, hatten wir uns schon
Ende 2017 auf Irland als Reiseziel geeinigt. "Ziel" deswegen, weil für uns der Weg dorthin
meist essentieller Bestandteil der Reise ist und wir auf dem Weg nach Irland die
Berglandschaften von Wales in die Tour einbauen konnten.
Mit relativ wenig Detailplanung im Gepäck ging es dann sonntags kurz nach 9 Uhr los auf
die Autobahn Richtung Belgien. Vor allem sonntags bietet sich die deutsche Seite an,
weil wenig LKW-Verkehr und Gebührenfreiheit zusammenkommen - unsere schwäbische Ader
war also schon mal befriedigt. Nach wenig ereignisreichen 670 Kilometern erreichten
wir Tournai in Belgien, das wir erst kurz zuvor als Tagesziel gewählt hatten und wo
wir Dank
Booking.com
das günstige und zentral gelegene Hotel Cathedrale fanden. Obwohl
uns die Hitze des Tages noch in den Knochen steckte, machten wir einen kleinen
Spaziergang um den Block und fanden auf dem Marktplatz eine nettes Restaurant, in dem
wir langsam aber sicher in Urlaubsstimmung kamen. Diese wurde allerdings gleich wieder
durch das extrem warme Hotelzimmer gedämpft und kam erst wieder beim wunderbaren
Frühstücksbuffet zurück, an dem wir uns für die zweite Anreiseetappe stärken konnten.

Beim Check-in an der Kanalfähre gab es dann die erste Überraschung: Astrid's Moped
reagierte bei der Betätigung des Anlassers nur mit dem leisen Klicken des Relais. Mit
etwas Unterstützung von freundlichen britischen Bikern schafften wir es, die 800er
auf die Fähre und in Dover auch wieder auf die Straße zu bringen. Zwischenzeitlich
hatten wir mit
Cooper
in Tunbridge Wells, einem der wenigen BMW-Motorrad-Händler im Königreich telefoniert,
den wir nun auf direktem Wege und ohne riskante Zwischenstopps ansteuerten. Das Erstaunen
war sowohl auf unserer wie auch auf der Seite der Techniker groß, als kein Fehler (außer
der leeren Batterie) gefunden werden konnte. Mit aufgeladener Batterie und ohne einen
Penny zu verlangen schickte uns die hilfsbereite Cooper-Crew wieder auf die Strecke,
die jedoch bereits in der Stadt endete. Keine Sorge, das Moped war nicht die
Ursache - wir hatten uns während des Wartens auf eine Übernachtung im
Tunbridge Wells Retreat geeinigt und das stellte sich als gute Entscheidung heraus,
denn trotz Kurort-Status konnten wir uns über ein nettes Zimmer inkl. Frühstück für 88
Pfund freuen. Nun hatte es sich auch einmal ausgezahlt, keine exakte Planung zu haben,
und wir konnten den Abend in diesem netten Städtchen genießen, das wir schon auf
unserer Südengland-Tour 2016 gestreift hatten.

Am nächsten Morgen sprang die 800er ohne Probleme an, aber wir hatten trotzdem ein
wenig Bauchweh auf der Weiterfahrt Richtung Bristol. Bis dorthin wollten wir es schon
einen Tag früher schaffen, doch mit den aktuellen Randbedingungen war das völlig okay
und wir konnten auf teils verträumten Nebenstrecken fahren, anstatt die Autobahn in
Anspruch zu nehmen und eine Runde im Stadtzentrum von
Bath drehen, das wir 2016 nur gestreift hatten.
Für die nächste
Zwischenübernachtung hatten wir uns das kleine Örtchen Winford südlich von Bristol
tatsächlich wegen des Prince of Waterloo Pubs ausgesucht, den wir in sehr
guter Erinnerung hatten. Leider waren wir nach dem Einchecken im The Oaks B&B und einer
dringend nötigen Dusche zu spät dran, um noch eine Runde Fish & Chips abzustauben -
schade, die waren schon ausgegangen - aber wir mussten trotzdem nicht fasten.

Endlich in Wales

Und dann war es soweit: am bereits vierten Tag unserer Tour kamen wir endlich nach Wales.
Weil wir nicht die Severn-Mündung umrunden wollten, leisteten wir uns eine Überfahrt über
die M4-Brücke (6.50 £ pro Nase) und erreichten bald die Gegend um
Newport,
wo wir Richtung Norden abbogen, um durch den
Brecon-Beacons National Park
zu fahren - das erste landschaftliche Highlight dieses Urlaubs und eine willkommene Abkühlung.
Die Pass-Straße zwischen Blaenavon und Govilon führt zwar nur auf knapp 500
Meter Meereshöhe hinauf, aber die Aussicht war grandios und die Luft deutlich kühler.
Letzteres war mir in diesem Moment fast wichtiger, denn mein Kreislauf schwächelte, vermutlich
als Folge der überdurchschnittlichen Temperaturen der vergangenen Tage. Das ging soweit,
dass wir uns Gedanken machten, den Urlaub abzubrechen. Aus Mangel an Alternativen warf
ich zwei Ibuprofen ein und wir kämpften uns auf teils abenteuerlichen Single-Tracks durch
herrliche Landschaften weiter Richtung Norden.
Nach einem Zwischenstopp in Brecon und weiteren 25 km Landstraße entdeckten wir die
Reize der gut ausgebauten A483 für uns. Hier konnten wir etwas mehr Strecke machen und
gleichzeitig entspannter in die Landschaft schauen. Es war bereits gegen 17 Uhr als wir
Newtown erreichten, wo wir ein Zimmer für 2 Nächte suchen wollten - soweit der Plan.
Doch das Internet lieferte für Newtown selbst keine adäquaten Unterkünfte und so wählten wir
das Railway Inn im fast 20 km entfernten Nest Forden. Dort endlich angekommen
waren wir zunächst erstaunt: so in der Pampa hatten wir noch selten genächtigt. Aber wir
wurden sehr nett empfangen und genossen ein hervorragendes Abendessen das wir mit reichlich
leckerem Bier abrundeten - wenigstens ich - den schwachen Kreislauf hatte ich hinter mir
gelassen. Dazu schauten wir mit den Walisern, die sich im Pub versammelt hatten, das
WM-Halbfinale England gegen Kroatien. Es war kaum auszumachen, wem die Zuschauer mehr die
Daumen drückten - am Ende waren sie wohl aber doch eher für England und entsprechend
enttäuscht, als die Kroaten gewannen.

Das Railway Inn ließ sich auch am nächsten Morgen beim Frühstück nicht lumpen und so
fuhren wir gut gestärkt und ohne Gepäck in den südöstlichen Teil des
Snowdonia National Parks.
Diese Ecke von Wales hatte uns schon im Jahr 2000, bei der Rückkehr aus Irland gefallen,
und auch dieses Mal waren wir sehr beeindruckt. Bis zum Lake Vyrnwy war es allerdings zuerst Fleißarbeit,
denn die Straßenqualität war durchaus anspruchsvoll, um es gelinde zu sagen. Dafür hatten
wir einmal mehr Zeit, uns die wunderbaren Ortsnamen auf der Zunge zergehen zu lassen, in
denen zum Teil komplett auf Vokale verzichtet wird und die bzgl.
Aussprache
viel Übung erfordern. Als wir nach dem Stausee die eigentliche Grenze zum Nationalpark
überquerten, waren wir komplett verzaubert: die Landschaft hier erinnerte uns sehr an die
nördlichen Schottischen Highlands - nun waren wird endgültig im Urlaub angekommen. Diese
Hochstimmung wurde durch ein paar Regentropfen fast noch verstärkt, die wir Richtung
Westküste abbekamen, denn die Berge wirkten durch die dunklen Wolken noch gewaltiger.
Bereits im quirligen Hafenstädtchen Porthmadog waren wir dem Regen wieder entflohen und
gönnten uns eine ausführlichere Pause mit Tee und Obstsalat. Für die Weiterfahrt suchten
wir uns eine abwechslungsreiche Strecke durch die Berge und dann der Küste folgend aus.
Die Auswahl an Straßen ist im Snowdonia National Park nicht sehr groß, was man findet
ist jedoch gut ausgebaut und so hat man genügend Spielraum, um die wild-romantische Natur
auf sich wirken zu lassen. Für uns waren das die dunklen Wolken, die noch in den Bergen hingen,
als wir auf der Talstraße A470 südwärts unterwegs waren und bei Dolgellau wieder Richtung
Küste abbogen. Bei Fairbourne warfen wir einen Blick auf den schier endlosen aber menschenleeren
Sandstrand - das oft unbeständige Wetter lässt Badetourismus hier nicht aufkommen, was wir
uns an diesem sonnigen und warmen Tag kaum vorstellen konnten. Jedenfalls bis zu diesem
Zeitpunkt nicht. Doch bei Rückfahrt zum Hotel, es war schon nach 18 Uhr, erwischte uns
dann ein heftiger Schauer. Die Straßen wurden glitschig, die Sicht schlechter, und als
wir am Hotel ankamen sahen die Mopeds aus, als ob wir einen Geländeritt absolviert hätten.
Ja, es gibt sehr viel Landwirtschaft in Wales. Unserer Laune tat das glücklicher Weise
keinen Abbruch, nein wir steigerten sie sogar bei einem leckeren Dinner noch.

Am Abend wollten wir die Fähre nach Irland buchen, doch irgendwie schien es keine freien
Kapazitäten mehr zu geben. Nach etwas hin und her entschieden wir uns, den Weg zu
unserer nächsten Station umzuplanen und einen Ausflug nach Holyhead einzubauen, um
direkt vor Ort zu buchen. Und das stellte sich als gute Entscheidung heraus. Ein
technischer Defekt hatte eine der Fähren für mehrere Tage außer Gefecht gesetzt und die
eng getakteten Fahrpläne ins Rutschen gebracht. Wir ergatterten jedoch Plätze auf der
8-Uhr-Fähre zwei Tage im Voraus - wären wir mit einem PKW unterwegs gewesen, hätten wir
in die Röhre geschaut. Glück gehabt. Nach der relativ zügigen und direkten Fahrt nach
Holyhead konnten wir nun entspannt Richtung Llandudno pendeln. Aber Halt, auf dem Hinweg
hatten wir doch eine erwähnenswerte Station, nämlich Llanfair, das in seiner ganzen
Pracht
Llanfairpwllgwyngyllgogerychwyrndrobwllllantysiliogogogoch
heißt und somit den längsten Ortsnamen Europas trägt. Busseweise werden hier Touristen
angekarrt, um den Bahnhof zu fotografieren und im benachbarten Shop ein Andenken zu kaufen.
Durchaus witzig, aber auch nicht mehr. Für die Weiterfahrt ab Holyhead suchten wir uns
dann die Nordküste von
Anglesey
aus und machten in der Bull Bay einen kurzen Fotostopp. Leider waren wir
aber von der Hitze ein wenig geplättet und froh, als wir am Nachmittag unser Hotel in
Llandudno
erreichten. Der luxuriöse Anschein des Bay Tree Hotels wurde leider vom schwach
motivierten Personal getrübt - hier am Strand ist ein Hotel neben dem anderen, was sich
vermutlich auf die Preise und dadurch auch auf die Bezahlung der Mitarbeiter auswirkt.
Allerdings ist es wirklich eine schöne Ecke, hier oben. Doch es sollte ja kein Badeurlaub
werden, also nutzten wir die Gelegenheit, Massentourismus im UK aus der Nähe zu betrachten.

Den nördlichen Teil des Snowdonia National Parks konnten wir von Llandudno aus
ebenfalls gut erkunden und obwohl wir einige Straßen nun ein zweites Mal mit im Programm
hatten, war unsere letzte Runde in Wales durchaus lohnenswert. Und es blieb anschließend noch
genug Zeit, große Teile der beeindruckenden Standpromenade links und rechts des Hotels
abzulaufen - ja, tatsächlich: "laufen". Das machte natürlich Appetit und ehe wir es uns
versahen, saßen wir in einer Art Schnellrestaurant, in dem wir aber gut aßen (Calzone
mit kandierten Zwiebeln) und zuvorkommend bedient wurden. Ein gelungener Abschied von
Wales und ein willkommener Kontrast zur Eile des nächsten Morgens, an dem wir uns schon
um 6 Uhr aus den Betten schälten, im Zimmer frühstückten und uns dann auf den Weg zur
Irlandfähre machten. Dann hatten wir gut drei Stunden Zeit, um uns auf einen abrupten
Programmwechsel einzustellen, denn das irische Wetter war uns nicht so wohlgesonnen.

Like coming home - Wiedersehen mit Irland

Bei Dauer-Sprühregen fuhren wir Richtung Belfast, was unser erstes irisches Etappenziel
sein sollte. Die geplanten Besichtigungen sowie die Fahrt auf der Küstenstraße ließen
wir mangels Motivation "ins Wasser" fallen und nahmen die Autobahn. Belfast empfing uns
dafür schon wieder mit Sonnenschein und angenehmer Temperatur aber wir tropften noch
heftig, als wir unser Zimmer im Greenmount B&B, im Südwesten der Stadt bezogen. Dank
Google Maps hatten wir schnell ein adäquates Restaurant gefunden, das uns für den
erlittenen Waschgang entschädigen sollte: das Temple Restaurant, ein eher unscheinbares
Haus, das aber stimmungsvoll eingerichtet war und leckeres Essen bot. Die besondere
Atmosphäre der Stadt blieb uns nicht lange verborgen: hohe Hecken, Zäune oder Mauern,
wohin man auch blickt.

Am nächsten Tag starteten wir nach einem einsamen Frühstück zur Stadtbesichtigung. Die
gut 3 Kilometer bis zum Zentrum wollten wir zunächst mit dem Bus zurücklegen, doch ein
netter älterer Herr, den wir nach dem Ticket-System fragten, stoppte kurzerhand ein Taxi
für uns, mit dem wir in Windeseile und für kleines Geld (1.50 £) an unser Ziel kamen.
Schnell fanden wir eine Hop-on-hop-off Bustour und pflanzten uns aufs zugige Oberdeck.
Die Tour brachte uns, neben der Geschichte der Schiffbauindustrie und der aktuellen
Lebensumstände in der Stadt, vor allem aber die Spuren des Nordirlandkonflikts vor Augen.
Der Fahrer stoppte an der Peace Wall am Cupar Way, wo wir das monströse Bauwerk und seine
Atmosphäre ungefiltert erlebten - es war und ist erschreckend. Danach war der Besuch des
aufwändig gestalteten Titanic-Museums schon fast aufheiternd; hier ist die dramatische
Geschichte wenigstens schon abgeschlossen. Mit einem ausgiebigen Stadtbummel entlang des
Lagan und durch die
Entries
wo wir ein leckeres Dinner hatten, rundeten wir den erlebnisreichen Tag ab und wir nahmen
nochmals ein Taxi, um wieder zurück zum B&B zu kommen.

Gut ausgeruht packten wir am Folgetag unsere Koffer und machten uns bei ordentlichem Wetter
auf den Weg Richtung Norden, wo wir schon bald die Küstenstraße mit ihren abwechslungsreichen
Ausblicken erreichten. Ein Abstecher ins Landesinnere (Ballymena) lehrte uns, dass Irland
auch hier eine "Pfanne" ist - wir kamen auf über 200 Meter Höhe, bevor es wieder nach
Ballymena hinunter ging. Wieder zurück an der Küste landeten wir gegen Mittag in
Ballycastle,
das wir für einen längeren Stopp mit Kaffee, Sandwiches und einer netten Unterhaltung mit
einem irischen Bikerpärchen aus Portrush nutzten. Zwischenzeitlich hatte sich der Parkplatz
mit einigen Motorrädern gefüllt und alle strebten zum Eiscafé Mauds, um sich eine leckere
Abkühlung zu gönnen. Den nächsten Halt hatten wir in Bushmills (bei Bushmills) geplant,
doch dort waren gerade Reinigungsarbeiten im Gange und wir hätten für eine Sparversion der
Besichtigung auch noch über eine Stunde warten müssen. Die Entscheidung, gleich weiter zu
fahren war schnell getroffen, denn wir wollten ja auch noch Dunluce Castle (gleich um die
Ecke) ansehen. Der Untertitel "Festungsruine in dramatischer Lage" (aus dem Reiseführer)
trifft den Nagel auf den Kopf. Trotz leichtem Nieselregel kämpften wir uns durch die
eingestürzten Räumlichkeiten, waren aber auch froh, als wir wieder auf den Bikes saßen.
Wir hatten immer noch genügend Zeit und legten einen Schwenk zum Martello Tower bei
Magillian Point ein, doch außer seiner netten Geschichte übte dieser Wehrturm keinen besonderen
Reiz auf uns aus. In
Derry
kamen wir dafür direkt in die Rush-Hour, fanden das B&B Groarty House aber
problemlos, nachdem wir uns wieder aus der Stadt befreien konnten. Das hübsche und wohnliche
B&B ist etwas abgelegen, was einen abendlichen 2-Meilen-Ausritt zum Dinner in der Cosh-Bar
nötig machte, welche uns der Wirt des B&B (zu Recht) empfohlen hatte.

Republik Irland - Donegal und Sligo

Nun war es endlich soweit - die Region, auf die wir uns schon die ganze Zeit gefreut
hatten, lag vor uns:
Donegal.
Zu der wunderbar abwechslungsreichen Landschaft gesellte sich irisches Wetter -
Nieselregel und Sonnenschein im Wechsel - hört sich negativ an, war aber perfekt stimmig,
auch weil es angenehme 20 Grad hatte. Als der Regen gegen Mittag etwas stärker wurde,
machten wir einen Kaffeestopp in Dunfanaghy in einer
witzigen Kombination aus Second-Hand-Laden und Café. Hier gab es soviel zu bewundern,
dass wir fast den nachlassenden Regen übersehen hätten. Doch der Ruf der Straße ließ
sich am Ende nicht mehr ignorieren.
Nach einem Schwenk über Brinlack und Derrybeg folgten wir wieder der N56,
die gerade saniert wurde. Die Straßen hier oben hatten wir aus unserer 2000er-Tour,
als wir beide noch reine Straßenmaschinen fuhren, unangenehmer
in Erinnerung - die Sanierung aber war trotzdem gerechtfertigt.
Erst gegen 16 Uhr erreichten wir die Stadt Donegal und schauten uns das sehr schön hergerichtete
Castle an, man könnte glatt einziehen. Aber auch hier hielt es uns nur kurz, wir wollten
noch mehr Landschaft aufsaugen. Kurz vor unserem Tagesziel Sligo war es dann wieder
mal soweit: Astrid beschwerte sich bei mir über die unangenehm schwammige Straße, doch
die war nicht Schuld - ihr Hinterreifen war platt - ein hübschen, kleines Nägelchen,
das wir allerdings erst später entdeckten, hatte sich ins Profil gebohrt. Ein Repararturspray
und zwei CO2-Kartuschen machten es uns möglich, mit stark reduzierter Geschwindigkeit bis zu
einer Tankstelle, und dann bis zum City-Hotel zu kommen. Doch die getankte Luft bliebt
dem Rad nicht lange treu. Wir ließen uns allerdings nicht unterkriegen, suchten
Reifendienste und schmiedeten gleich Pläne für den nächsten Morgen - dazu hatten wir uns
nach dem Abendessen einen irischen Seelentröster gegönnt: einen gut eingeschenkten
12-jährigen Redbreast (Irish Whiskey).

Die Suche nach einem Reifendienst gestaltete sich dann aber schwieriger, als gedacht. Es
gibt hier oben nur recht wenig Motorräder und dementsprechend boten die Reifendienste nur
Autopneus an. Aber man gab uns schließlich einen wichtigen Tipp: auf der anderen Seite des
Lough Gill sollte der ehemalige Rennfahrer Gordon Rountree wohnen, der Motorräder
repariert. Dorthin machten wir uns sogleich auf. Beinahe wären wir an der kleinen Werkstatt
von Herrn Rountree vorbeigerauscht, denn er wohnt und arbeitet im Niemandsland, allerdings
wunderbar direkt am See. Er meinte, er könne uns jedenfalls helfen, hätte aber leider keinen
Transporter, um das Moped aus dem 15 Kilometer entfernten Sligo zu holen. Wir entschieden
uns, den Auslandsservice des ADAC um Hilfe zu bitten, welcher uns in Windeseile einen Service
schickte, der sogar noch vor uns am Hotel in Sligo eintraf. Auch er entdeckte den Nagel
nicht und tippte auf das Ventil, ein Ersatzteil hatte er jedoch leider nicht auf Lager.
Dafür pumpte er den Reifen knallhart auf und begleitete uns zu Gordon - zum Glück - denn
die Luft reichte nicht für die ganze Strecke. Die Begleitung war aber wohl nicht ganz
uneigennützig, denn es machte den Anschein, als wolle er Gordon auch kennen lernen, der wohl eine
Art lebende Legende ist. Er hatte den Nagel im Handumdrehen gefunden, musste uns aber leider
auf den Folgetag vertrösten, denn einen passenden Schlauch hatte er nicht auf Lager. Wir machten
das beste draus, besichtigten das nahe gelegene Parkes Castle und vertrödelten den Nachmittag
in Sligo, was durchaus zur allgemeinen Beruhigung beitrug.

Auch am nächsten Morgen hatten wir es nicht eilig, Gordon wollte uns Bescheid geben, wenn er
den Schlauch hatte und mit der Reparatur beginnen konnte. Gegen halb zwölf traf die heißersehnte
SMS ein und wir machten uns wieder auf den Weg. Kurz nach 13 Uhr war die 800er wieder fahrbereit
und Gordon präsentierte uns eine überraschend günstige Rechnung, die wir gerne und mit einen
guten Trinkgeld beglichen.
Nun ging es erst wieder zurück nach Sligo ins City-Hotel, wo wir unser Gepäck in der Zwischenzeit
lagern durften. Immer noch rechtzeitig nahmen wir dann die Fahrt Richtung Dublin auf,
wählten aber den direkten Weg für die gut 200 km - auch in der Hoffnung, dass hier nicht so
viele Nägel rumliegen. Außer einem kleinen Stopp in Roosky am River Shannon gönnten wir uns
keine Pause und waren pünktlich zur Rush Hour in Dublin und das, wo unser Hotel St. George
am Parnell Square, also mitten in der Stadt lag.

Nach einer wohlverdienten Dusche stürzten wir uns ins pralle Stadtleben, schlenderten durch
die belebten Straßen und aßen in einem reichlich überfüllten Pub - ein harter aber nicht
unangenehmer Kontrast zu Sligo. Den Blick auf die Stadt erweiterten wir an nächsten Morgen mit
einer (fast schon traditionellen) Hop-on-hop-off Bustour - die Erinnerungen an unseren Aufenthalt
hier vor 18 Jahren waren doch schon ziemlich verblasst. Außerdem gab es damals
Teeling
noch nicht, wir mussten uns also vordringlich die neue Whiskey-Distillery ansehen: für
stattliche 20 Pfund bekamen wir eine mittelprächtige Führung und drei wenig aufregende Drams
- wir sind durch die Reisen mit dem Whiskyclub schon ein bisschen verwöhnt. Dafür war der Rest
der Bustour sehr unterhaltsam und das, obwohl wir keine weiteren Stopps einlegten. Allerdings,
das National Leprechaun Museum, das wir im Anschluss besuchten, muss man schon als
sehenswert einstufen, es ist aber hilfreich, wenn man das 10. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.
Uns gefiel es trotzdem und es stellte einen netten Kontrast zu den Aussichten dar, die wir für die
folgenden Tage hatten, nämlich die anstrengende Heimreise.

Der beschwerliche Heimweg

Die Tickets für die Fähren Dublin-Holyhead und Dover-Calais hatten wir schon einige Tage zuvor
gebucht, weswegen uns auch kein zeitlicher Spielraum blieb. Also quälten wir uns zunächst die
600 Kilometer bei unangenehm hohen Temperaturen quer durch Wales und England bis zum
St. Margaret's Bay Holiday Park in der Nähe von Dover, wo wir eine Zwischenübernachtung
geplant hatten. Das stellte sich als gute Wahl heraus, vor allem verglichen mit dem Hostel Alma,
das wir uns zwei Jahre zuvor für den selben Zweck ausgesucht hatten. Nebst zünftigem Essen
hatten wir auch noch einen netten Plausch mit einer Gruppe deutscher Biker, die von einem
Motorradtreffen in Wales zurückkamen. Nach erholsamer Nachtruhe brachen wir dann zur vermeintlich
letzten Etappe über den Kontinent auf. Doch die 800er sollte uns noch einmal das Leben schwer
machen: in Belgien zeigten sich erste Anzeichen des alten Problems mit der Batterieladung, in
Luxemburg blieben wir dann endgültig liegen. Es war erneut Zeit für einen Anruf beim ADAC
Auslandservice - kaum zu glauben, aber wir hatten wieder den selben Sachbearbeiter am Telefon,
wie bereits in Sligo. Der luxemburger ACL ließ dann allerdings über 2 Stunden auf sich warten,
was unsere Hoffnung begrub, am selben Tag noch bis nach Hause zu kommen. Es war bereits kurz
vor 21 Uhr, als wir das Moped zu einem (dem) BMW-Händler in Luxemburg-Stadt brachten und uns
nach einem Hotel umsahen. Das Campanile direkt am Flughafen hatte glücklicher Weise noch
ein Zimmer für uns frei und wir bekamen sogar noch ein warmes Essen. Tags drauf hockten wir
dann bis kurz vor Mittag beim BMW-Händler Bilia-Emond bis die Diagnose (Lichtmaschine
defekt) feststand und die Batterie wieder halbwegs gefüllt war. Man behandelte uns aber
sehr zuvorkommend und verlangte nicht einmal eine Bezahlung. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch
setzten wir nun die Heimreise fort, ohne eine Pause kamen wir jedoch nicht aus. Also legten wir
im Pfälzer Wald einen kurzen Snack-Stopp ein und freuten uns danach ungemein, als die 800er ohne
Mucken ansprang. Doch bereits in Karlsruhe war das Glück wieder aufgebraucht - mit letzter Kraft
schafften wir es zu meinem Cousin, wo wir die Batterie nochmals aufluden (diesmal mit Schmackes
an einem Auto-Ladegerät) und unser Leid klagen konnten. Gegen 17 Uhr starteten wir die letzte
Etappe und kamen (man hätte ja auch das Gehirn einschalten können) genau in den Feierabendverkehr,
den wir und die Batterie aber mit reichlich Glück überstanden. Danach konnten wir uns im
Schwarzwald etwas abkühlen, für einen weiteren Stopp fehlte uns allerdings der Mut und so
erreichten wir Niedereschach völlig abgekämpft, aber mit einer Menge zu erzählen.

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Kartenmaterial, Tracks

Natürlich hatten wir uns wieder einige Informationen aus dem Netz gezogen, diese aber mit dem
kleinen Reiseführer von Marco Polo »Irland« (ISBN 978-3-8297-2775-4) ergänzt. Die beiliegende
Karte in Maßstab 1:750.000 blieb allerdings unangetastet; wir hatten unsere alte 1:300.000
vom RV-Verlag dabei. Die ist zwar gut, aber eben auch schon fast 20 Jahre alt. Die Wales-Karte im
Maßstab 1:250.000 von AA-Publishing (brandneu) fanden wir sehr gut und von diesem Verlag gibt es auch
eine 300-tausender Irlandkarte. Leider hatten wir keinen separaten Reiseführer für Wales.
Die Offline-Karten von Google Maps auf meinem Handy haben sicherlich wieder dazu beigetragen,
den Datenverbrauch während der Reise zu verringern.
Tracks
Auch diesmal habe ich die gesamte Tour in einem Track zusammengefasst:
• Gesamt-Track Wales und Irland 2018
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© 2018 Christoph und Astrid Dexheimer, http://www.ChDex.de

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